Am heutigen 22. August feiert das Technische Hilfswerk (THW) seinen 75. Geburtstag. Seit seiner Gründung im Jahr 1950 engagieren sich Menschen im THW haupt- und ehrenamtlich für den Zivil- und Katastrophenschutz. Weltweit setzen sich die THW-Helferinnen und -Helfer mit ihrem Wissen und der entsprechenden Ausstattung für Menschen in Notlagen ein. Von Otto Lummitzsch auf der Basis des deutschen Grundgesetzes als Zivilschutzeinrichtung nach dem verheerenden Zweiten Weltkrieg gegründet, speist sich das THW als staatliche Organisation vorwiegend aus diesem ehrenamtlichem Engagement.
Die Rolle des THW im Zivilschutz
Die technische Hilfe im Zivilschutz ist der gesetzliche Auftrag des THW. Und das nicht erst heute: Das Thema Zivilschutz rückt aktuell zwar besonders in den Fokus, war aber schon bei der Gründung des THW 1950 ein zentraler Bestandteil. In den verschiedenen großen Einsätzen der letzten 75 Jahre haben die inzwischen rund 88.000 ehrenamtlichen THW-Kräfte unter Beweis gestellt, auf welch vielfältige Weise sie helfen können. Das THW hat stets die aktuellen Entwicklungen im Blick. So passte es 2023 vor dem Hintergrund veränderter und neuer Bedrohungslagen sein Rahmenkonzept an. Dieses benennt die wichtigsten Handlungsfelder und Bedarfe des THW und rückt die Zivilschutztüchtigkeit verstärkt in den Mittelpunkt. "Wir legen unseren Schwerpunkt darauf, wie wir unsere Zivilschutztüchtigkeit noch weiter stärken können. Ein wichtiger Baustein ist dabei die Ausrichtung unserer Ausbildung", sagt Lackner.
Gleichzeitig nahm das THW Maßnahmen in den Fokus, um auf die Auswirkungen des Klimawandels reagieren zu können. Dies machte sich bereits mehrfach bezahlt. Nach Starkregen „Bernd“ im Sommer 2021 waren 17.000 Einsatzkräfte aus allen 668 THW-Ortsverbänden im Einsatz, um gegen die Unwetterfolgen an Ahr und Erft zu kämpfen. Sie retteten Menschen, pumpten Wasser ab, sicherten die Versorgung mit Trinkwasser sowie Strom, betrieben Bereitstellungsräume und bauten Infrastruktur wieder auf. Auch jüngst in den Jahren 2023 und 2024 leisteten die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer unzählige Einsatzstunden bei Hochwasser, die in Folge der Tiefs „Zoltan“, „Katinka“ und „Orinoco“ auftraten.
75 Jahre THW – das wird groß gefeiert
Der heutige Tag ist nur einer von mehreren Programmpunkten, an und mit denen das Jubiläum gefeiert wird. Bereits seit Ende April gibt es eine offizielle 10-Euro-Sondermünze, seit August eine Sonderbriefmarke mit THW-Motiv. Außerdem hängen bundesweit Plakate, welche auf das Jubiläum aufmerksam machen und in Berlin hängt ein riesiges Kunstwerk, hergestellt aus alter Einsatzkleidung. Im Mai waren rund 700 Vertreter von Haupt- und Ehrenamt zu dem offiziellen Festakt in Bonn eingeladen. Das Wichtigste im Technischen Hilfswerk aber sind die Menschen. Unsere Helferinnen und Helfer. Rund 88.000 Menschen engagieren sich bundesweit in den 669 Ortsverbänden. Sie alle sind im September zu Deutschlands wahrscheinlich größter Grillparty eingeladen, verteilt auf alle Ortsverbände. So feiert das THW dann gemeinsam mit allen Helferinnen und Helfern 75 Jahre ehrenamtliches Engagement in Deutschland, wenn auch nicht mit allen an einem Ort.
Auch der THW-Ortsverband Ahrensburg hat heute Geburtstag
Der 22. August ist aber nicht nur für die gesamte Bundesanstalt ein bedeutender Tag, auch der Ortsverband Ahrensburg hat seinen Geburtstag am heutigen 22. August. Allerdings mit dem kleinen Unterschied, dass dieser erst 1969 gegründet wurde und somit heute 56 Jahre alt wird. Und eigentlich ist es sogar bereits der zweite Geburtstag des Ortsverbandes. Bereits im Dezember 1952 gab es den ersten Versuch einen THW-Ortsverband in Ahrensburg zu etablieren. Berufliche Gründe zwangen den damaligen Gründer Otto Köhler aber dieses Vorhaben nach rund zwei Jahren wieder aufzugeben. Mitverantwortlich für die Gründung des heutigen Ortsverbandes Ahrensburg war der Ortsverband Hamburg-Wandsbek, der in der Gegend Mitte der 60er-Jahre viele Übungen absolvierte, woraufhin sich der Bürgermeister von Großhansdorf um einen eigenen Ortsverband für seine Gemeinde bemühte. Mit einem Umzug in die Nachbarstadt wurde im Februar 1976 daraus der heutige Ortsverband Ahrensburg. Nach einigen provisorischen Unterbringungen erfolgte 1979 der Umzug in das gerade fertig gestellte Rettungszentrum Am Weinberg, wo die THW-Helferinnen und Helfer für die kommenden 32 Jahre in direkter Nachbarschaft mit der Feuerwehr Ahrensburg untergebracht waren. Seit dem Sommer 1988 können mit der Gründung der THW-Jugend Ahrensburg auch Kinder und Jugendliche im THW aktiv werden, mit der Gründung einer Minigruppe 2010 sogar bereits ab dem Alter von 6 Jahren. Seit 2011 hat der-Ortsverband Ahrensburg mit mittlerweile über 120 ehrenamtlichen Kräften seinen Standort im Roggenweg.
Was Einsätze betrifft, weist das Archiv des Ortsverbandes insbesondere für die Anfangszeit leider große Lücken auf. Der erste dokumentierte Einsatz stammt aus dem Jahr 1993: Die Bergung eines im Ahrensburger Schlossteich versunkenen PKW. Im Jahr 1998 kommt es in Bad Oldesloe zu einer schweren Gasexplosion, hier ist der Ortsverband Ahrensburg bei den Bergungsarbeiten dabei. Im Jahr 2000 geht es für zwei Helfer erstmals in einen Auslandseinsatz, und zwar nach Frankreich zur Beseitigung von Sturmschäden. 2002 folgte mit dem Elbe-Hochwasser der bis dahin größte Einsatz des Ortsverbandes. Ein ähnliches Szenario bot sich 2013 in Lauenburg und auch die Flut im Ahrtal ist sehr in Erinnerung geblieben - hier räumten die Helferinnen und Helfer in den Wochen nach dem Ereignis Trümmer beiseite und unterstützten im Bereitstellungsraum auf und am Nürburgring, wo zeitweise bis zu 5000 Einsatzkräfte untergebracht waren. Der längste Einsatz in der Geschichte des Ortsverbandes ist die Corona-Pandemie. Hier wurden über ein Jahr lang mehrere provisorische Testcenter in der Umgebung errichtet und regelmäßig medizinische Ausrüstung sowie der erste Impfstoff durch Schleswig-Holstein transportiert.