75 Jahre THW - und es gibt viel zu feiern

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Bonn,

In diesem Jahr wird die Bundesanstalt Technisches Hilfswerk 75 Jahre alt. Begleitet wird das Jubiläum von mehreren Aktionen. In Bonn fand am 17. Mai bei einem großen Festakt nicht nur der Auftakt der vielen Feierlichkeiten statt, sondern auch die Gründung des mittlerweile 669. Ortsverbandes.

Der eigentliche Gründungstag der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk ist der 22. August 1950. Und übrigens nicht nur der vom THW - auch der heutige Ortsverband Ahrensburg wurde an einem 22. August gegründet, wenn auch erst 19 Jahre später. In Bonn fand am Wochenende mit einem feierlichen Akt der Auftakt der Feierlichkeiten zu "75 Jahre THW" statt. Mit dabei waren viele zahlreiche Vertreter der ehrenamtlich tätigen 668 Ortsverbände, viele hauptamtliche Mitarbeiter aus ganz Deutschland sowie wichtige Gäste aus der Politik und von Partnerorganisationen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt würdige in seiner Ansprache die wichtige Arbeit des THW und versprach weitere Investitionen in das THW und somit auch in den Zivil- und Katastrophenschutz in der Bundesrepublik Deutschland. „Das THW ist seit 75 Jahren ein verlässlicher Partner an der Seite der Menschen in diesem Land. Es ist zur Stelle, um bei Katastrophen, wie etwa nach Starkregen und Hochwasser, mit seiner technischen Expertise zu helfen. Das ist nur möglich durch das Engagement der 88.000 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die damit einen wichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft leisten. Ich empfinde als Bundesinnenminister große Freude und einen tiefen Dank dafür, dass wir in Deutschland so viele Menschen haben, die sich freiwillig für das Wohl aller engagieren.“, so Dobrindt.

Die THW-Präsidentin Sabine Lackner dankte in ihrer Rede - stellvertretend für alle 88.000 ehrenamtlichen Einsatzkräfte - allen anwesenden Gästen der Ortsverbände für ihre wertvolle Arbeit und natürlich auch den hauptamtlichen Mitarbeitern, ohne die das THW nicht das wäre, was es heute ist. Neben Bundesinnenminister Dobrindt und THW-Präsidentin Lackner sprachen außerdem der ehrenamtliche THW-Bundessprecher Wolfgang Lindmüller, Martin Gerster (MdB), Präsident der THW-Bundesvereinigung e.V., sowie Katja Dörner, die Oberbürgermeisterin der Stadt Bonn, zu den rund 700 Gästen der Zivil- und Katastrophenschutzorganisation des Bundes im Maritim Hotel Bonn. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sendete eine Videobotschaft, in der er das Engagement des Ehrenamtes lobte. Musikalisch untermalt wurde die Feier von der THW-Big Band.

Der Festakt war nur der Auftakt vieler Jubiläumsveranstaltungen

Der offizielle Festakt ist nur einer von mehreren Programmpunkten, mit denen das Jubiläum gefeiert wird. Bereits seit Ende April gibt es eine offizielle 10-Euro-Sondermünze, im Herbst folgt zudem eine Sonderbriefmarke mit THW-Motiv. Das Wichtigste im Technischen Hilfswerk aber sind die Menschen. Rund 88.000 Menschen engagieren sich bundesweit in den 669 Ortsverbänden. Sie sind im September zu Deutschlands wahrscheinlich größter Grillparty eingeladen, verteilt auf alle Ortsverbände. So feiert da THW dann gemeinsam mit allen Helferinnen und Helfern 75 Jahre ehrenamtliches Engagement in Deutschland, wenn auch nicht alle an einem Ort.

Die „Blaue Nacht“ rundete die Feierlichkeiten in Bonn ab

Nach dem offiziellen Jubiläums-Festakt am Vormittag gab es am Abend noch eine große Jubiläumsparty mit allen Gästen aus den Ortsverbänden, Regionalstellen und Landesverbänden sowie der THW-Leitung. THW-Präsidentin Sabine Lackner und Vizepräsident Dierk Hansen luden gut gelaunt und humorvoll zur "Blauen Nacht". Und die hatte ein volles Programm. Gleich zu Beginn überraschte Karl-Heinz Banse, der Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, die THW-Präsidentin und überreichte ihr eine Auszeichnung. Der aus Funk und Fernsehen bekannte Moderator und Journalist Thomas Ranft sprach im Anschluss eine dreiviertel Stunde mit viel Humor und einem Augenzwinkern über den Klimawandel, Hochwasser und fehlende Dachüberstände.

Seit 75 Jahren engagiert sich das Technische Hilfswerk mittlerweile im Zivil- und Katastrophenschutz. Fast genauso lang - nämlich 73 Jahre - ist Herbert aus dem Ortverband Darmstadt schon dabei. Also (fast) seit Anfang an. Damit ist er der dienstälteste noch immer aktive Helfer in der Bundesanstalt. Für dieses Engagement wurde er am Abend von Sabine Lackner und Dirk Hansen mit einer Medaille ausgezeichnet.

Einer neuer Ortsverband – und eine Innovation für das THW

Der letzte Programmpunkt des Abends, bevor ein DJ mit Musik in den lockeren Teil überleitete, war der vielleicht wichtigste des ganzen Tages. Ein Programmpunkt, der auch für die Zukunft des Technischen Hilfswerk nicht ganz unwichtig ist. Das THW ist an diesem Abend mit 75 Jahren noch einmal "Mutter" geworden. Das Neugeborene hört auf den Namen VOST und ist im schönsten Landesverband beheimatet, nämlich unserem Landesverband Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Zumindest auf dem Papier. VOST steht für "Virtual Operations Support Team" und ist nun offiziell der 669. Ortsverband des THW. Das Besondere: Es ist kein stationärer, sondern der erste virtuelle Standort des THW, mit Helfern in der gesamten Bundesrepublik. Das Virtual Operations Support Team sammelt, prüft und analysiert im Einsatzfall relevante Informationen aus dem Internet und kommuniziert diese an Führungseinheiten. Zudem erstellt das Team digitale Karten, um ein möglichst genaues Bild der Einsatzlage geben zu können. In Sozialen Medien kann die Einheit zudem Falschnachrichten aufspüren und prüfen und somit wichtige Informationen liefern. Dierk Hansen überreichte zusammen mit dem Landesbeauftragten Sören Ollhoff die Gründungsurkunde - die es natürlich passenderweise nicht nur in Papierform, sondern auch digital und fälschungssicher in einer Blockchain gab.

Herzlich Willkommen in der Familie, liebes VOST!

Gründung als Zivilschutzorganisation im Jahr 1950

Als Geburtstag des THW gilt der 22. August. An diesem Tag im Jahr 1950 vereinbarte der damalige Bundesinnenminister Gustav Heinemann mit Otto Lummitzsch, dass ein ziviler Ordnungsdienst aufgestellt werden soll. Lummitzsch wurde zum Gründer und ersten Direktor des THW. Im Jahr 1953 erteilte das Bundesinnenministerium dann einen Errichtungserlass und das THW wurde eine Bundesanstalt. Im selben Jahr ging das THW bereits in seinen ersten Auslandseinsatz: Eine Sturmflut in den Niederlanden.

Ursprünglich wurde das THW mit dem Auftrag gegründet, die Bevölkerung vor Kriegsauswirkungen zu schützen und die Folgen des Zweiten Weltkriegs zu beseitigen. Durch sich verändernde weltpolitische Lagen musste es sich immer wieder neu ausrichten. Mit Ende des Kalten Kriegs rückte die Unterstützung des Katastrophenschutzes der Bundesländer in den Fokus. Nachdem Russland im Jahr 2014 die Krim annektierte, baute das THW unter anderem im Zivilschutz seine Kompetenzen in der Notversorgung und Notinstandsetzung aus. Mit dem Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine haben zuletzt die Zivilschutzfähigkeiten des THW wieder an Bedeutung gewonnen.

Gleichzeitig nahm das THW Maßnahmen in den Fokus, um auf die Auswirkungen des Klimawandels reagieren zu können. Dies machte sich bereits mehrfach bezahlt. Nach Starkregen „Bernd“ im Sommer 2021 waren 17.000 Einsatzkräfte aus allen 668 THW-Ortsverbänden im Einsatz, um gegen die Unwetterfolgen an Ahr und Erft zu kämpfen. Sie retteten Menschen, pumpten Wasser ab, sicherten die Versorgung mit Trinkwasser sowie Strom, betrieben Bereitstellungsräume und bauten Infrastruktur wieder auf. Auch jüngst in den Jahren 2023 und 2024 leisteten die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer unzählige Einsatzstunden bei Hochwasser, die in Folge der Tiefs „Zoltan“, „Katinka“ und „Orinoco“ auftraten. 

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